Freelancer werden in Österreich

Du willst dein eigner Boss sein? Arbeiten als Freelancer in Österreich kann einige bürokratische Hürden aufwerfen

Viele Menschen in Österreich träumen von der Selbstständigkeit - sein eigener Boss zu sein, selbst zu entscheiden wann man arbeitet und woran. Doch gleichzeitig haben auch viele Angst davor, was passiert wenn ich einen Unfall habe? Wie schaut das mit Urlaub aus und wie bezahle ich meine Steuern?

In dieser Serie versuche ich die wichtigsten Themen die einen Freelancer betreffen möglichst einfach zu erklären und worauf man achten muss. Ich werde versuchen die Information so allgemein wie möglich zu halten, doch da ich selbst in der IT arbeite als selbstständiger werde ich oft auch Themen von meiner Perspektive erklären.

Dieser Artikel richtet sich vor allem an Freelancer im Dienstleistungsgewerbe wie Software Consultants, Grafik Designer oder Werbetexter, einfach gesagt an Branchen mit geringen Investitionskosten im Vergleich zum Gewinn - sowie an Unternehmer ohne Angestellte. Solltest du nicht in diese Kategorie fallen empfehle ich dir ein Beratungsgespräch mit einem Steuerberater und Unternehmensberater!

Rechnet sich die Selbstständigkeit für mich?

Die erste Frage dich man sich stellen muss bevor man seinen Job kündigt und als Selbstständiger arbeiten will ist, ob es sich überhaupt Rechnet! Die Beträge mit denen Selbstständige arbeiten sehen oft gigantisch aus für Angestellte, allerdings vergleicht man hier Äpfel mit Birnen - deswegen will ich hier ein kleines Rechenbeispiel präsentieren um zu verdeutlichen wie das mit dem Gehalt als Freelancer funktioniert.

Unser Beispiel schaut wie folgt aus:

Karl will sich als Software Entwickler Selbstständig machen, derzeit arbeitet er Vollzeit in einem großen Unternehmen und verdient 4.000€ Brutto, er hat keine Kinder und bezieht keine Pendlerpauschale (um die Rechnung einfacher zu gestalten). Monatlich bleiben Karl ca 2.500€ netto übrig, allerdings gibt es ja auch noch das 13 + 14 Gehalt. Wenn wir alle 14 netto Gehälter addieren und durch 12 dividieren bleibt uns ein monatliches Netto Gehalt von ca 3.000€. Damit sich für Ihn die Selbstständigkeit auszahlt müssen ihm also mindestens 3.000€ auch als Freelancer übrig bleiben.

Er hat bereits ein Angebot erhalten für ein IT Projekt als Freelancer und würde 50€/Stunde erhalten. Wenn wir davon ausgehen, dass er als Freelancer genauso viel arbeitet wie als Angestellter - 5 Wochen Urlaub, ein paar Krankentage und er arbeitet nicht an Feiertagen und Wochenenden - würde er ca. 1600 Stunden im Jahr arbeiten. Die Mathematiker unter wissen 50€ pro Stunde mal 1600 Stunden ergeben 80.000€

Er würde also im Jahr 80.000€ an Umsatz machen, dies ist natürlich wesentlich mehr als er davor verdient hat, selbst Brutto hat er nur 56.000€ im Jahr verdient. Doch der Schein trügt! Wenn wir diese Zahl nun in den SVRechner der WKO eintippen sehen wir folgende Zusätzliche Kosten:

Sozialversicherungsabgaben: 20.300€

Einkommenssteuer: 16.700€

Karl bleiben also rund 43.000€ übrig am Ende vom Jahr und wenn man diese Zahl nun durch 12 dividiert um ein Gehalt zu simulieren sehen wir, dass er netto monatlich nur 500€ mehr verdient als davor, obwohl er brutto 24.000€ mehr verdient hat. Jetzt könnte man natürlich sagen, ok - 500€ monatlich mehr sind immer noch 6.000€ im Jahr - es zahlt sich also auf jeden Fall aus, doch der Schein trügt mal wieder.

Mir ist natürlich bewusst, dass dies keine exakte Rechnung ist - aber es hilft um zu verdeutlichen wie viel dir von deinem Umsatz übrig bleibt.

Risiken als Freelancer

Als Angestellter hat Karl derzeit einige Sicherheiten. Sollte er einen schweren Unfall haben und für einige Wochen oder Monate nicht arbeiten können darf ihn sein Arbeitgeber nicht einfach kündigen, er hat Anspruch auf Urlaub und vielleicht sogar Aufstiegschancen in seinem Betrieb. All das fällt weg als Freelancer, und das muss einem auch bewusst sein. Diese 6.000€ mehr im Jahr müssen Karl erhalten können sollte das Projekt plötzlich vorbei sein, des Weiteren hat er als Selbstständiger wahrscheinlich höhere Kosten, durch den Steuerberater, eine Haftpflicht Versicherung und vielleicht auch eine Rechtsschutzversicherung - außerdem darf man ebenfalls nicht vergessen, dass man als Selbstständiger bei der SVS 20% Selbsthalt zu zahlen hat bei allen Arztbesuchen. All diese Faktoren müssen berücksichtigt werden und danach muss man sich nochmal die Frage stellen, Rechnet es sich für mich als Selbstständiger zu arbeiten? Diese Frage kannst du dir natürlich nur selbst beantworten. Allerdings gibt es als Selbstständiger welcher ein Stundenbasiertes Projekt hat eine mächtige Waffe - das Stichwort lautet hier Stundenbasiert. Was ist, wenn du statt 5 Wochen Urlaub nur 3 Wochen Urlaub machst, und täglich nicht 8, sondern 9 Stunden arbeitest? Dann sind wir plötzlich näher bei 90.000€ - 100.000€ im Jahr und der Unterschied wird größer und größer. Die Verlockung mehr zu arbeiten wird immer größer wenn man ein eindeutiges Resultat seiner Arbeit mit jeder Rechnung sieht, allerdings darfst du hierbei nicht auf deine Gesundheit vergessen, denn als Selbstständiger musst du auf dich selbst schauen!

Gewerbe anmelden

Du hast dich also Entschieden als Freelancer zu Arbeiten trotz der Risiken, weißt aber nicht wie du ein Einzelunternehmen gründest?

Ein neues Gewerbe in Österreich anzumelden ist mittlerweile überraschend einfach und unbürokratisch - vorausgesetzt es handelt sich um ein Freies Gewerbe und du besitzt eine Handysignatur. Solltest du noch keine Handysignatur besitzen, empfehle ich dir diese vorher über FinanzOnline anzufordern, da es den gesamten Prozess extrem erleichtert.

Mit der Handysignatur kann man sich ganz einfach auf der Website des Unternehmensservice Portals registrieren - sobald man registriert ist kann man über das Unternehmerportal eine Meldung einbringen. Zur Gründung eines Unternehmens muss man folgende Meldungen einbringen:

  • Erklärung gemäß Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG)
  • Gewerbeanmeldung
  • Finanzamtsmeldung (Verf24), Fragebogen für natürliche Personen
  • Sozialversicherungsmeldung (SVA)
  • Optional - Antrag auf Eintragung in das Firmenbuch

Mit Ausnahme der Finanzamtsmeldung sind all diese Formulare sind ziemlich selbsterklärend, deswegen werde ich in diesem Artikel nicht weiter auf sie eingehen. Einzelunternehmer sind nicht verpflichtet sich im Firmenbuch einzutragen solange sie einen Umsatz unter 1.000.000€ in einem Jahr oder 700.000€ in zwei aufeinanderfolgende Jahre haben, allerdings ist das Eintragen im Firmenbuch durch die Neugründerförderung gratis, falls man den Wunsch hat sich eintragen zu lassen.

Finanzamtsmeldung

Der wichtigste Punkt bei der Finanzamtsmeldung ist die Regelbesteuerung bzw der UID - Antrag. Hierbei gilt folgendes, sollte man einen Umsatz (aus selbstständiger Tätigkeit) von unter 30.000 EUR in einem Jahr haben hat man ein Anrecht darauf sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien zu lassen. Dies ist von Vorteil wenn man mit Endkunden arbeitet, da man dadurch seine Produkte billiger verkaufen kann - allerdings darf man natürlich auch keinen Vorsteuerabzug durchführen. Solltest du nur mit Unternehmen handeln empfehle ich der Einfachheit halber trotzdem eine UID anzufordern.

Sozialversicherungsmeldung

Die Sozialversicherungsanmeldung bei der SVS ist prinzipiell sehr einfach und logisch, allerdings gibt es einen Punkt auf den man achten sollte: Anpassung der vorläufigen Beitragsgrundlage.

Die SVS verlangt von jedem neuen Anwerber standardmäßig nur die Mindestbeiträge für die ersten 3 Jahre und danach evaluieren sie deine echten Beiträge. Dies bedeutet allerdings auch, dass du die nicht gezahlten Beiträge der letzten 3 Jahre natürlich zurück zahlen musst. Die SVS tut dies, da Unternehmen am Anfang meist sehr hohe Investitionskosten haben und ihnen damit das Leben erleichtert wird. Freelancer hingegen, welche kaum bis gar keine Investitionskosten haben profitieren hiervon nicht, im Gegenteil es kann Ihnen sogar schaden. Viele Freelancer vergessen auf die Änderung der Beiträge nach 3 Jahren und erhalten plötzlich eine Rechnung von der SVS in Höhe von 60.000€. Wenn du dieses Geld nicht auf der Seite liegen hast, kann dies Existenzbedrohend für dich sein.

Die Anpassung der vorläufigen Beitragsgrundlage hilft dir hierbei jedoch. Du kannst deine geschätzten Einkünfte hier eintragen und dein Beitrag wird automatisch angepasst. Natürlich zahlst du dadurch mehr SVS Beiträge in den ersten 3 Jahren, allerdings wird die Nachzahlung im 3. Jahre bei weitem nicht so dramatisch sein, weil du wahrscheinlich mit deiner Beitragsgrundlage sehr nahe am echten Wert warst.


Sobald diese Einträge eingereicht wurden kann man als Selbstständiger tätig werden, du musst nicht mehr auf eine Bestätigung der Behörden warten - diese kommt meistens nach 2-3 Wochen.

Ein Bankkonto für Selbstständige

Ein getrenntes Bankkonto für deine Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit zu haben ist essentiell. Nicht nur hilft es dir bei der Steuererklärung, es ist auch vernünftig deine privaten Ausgaben von den Firmen Ausgaben zu trennen. Meine Empfehlung ist, alle Kunden überweisen ihre Beträge auf dieses Konto - und du überweist dir monatlich nicht mehr als 50% deiner Netto Einkünfte (Ohne Mehrwertsteuer) - bzw 40% der Brutto Einkünfte auf dein privates Bankkonto. Dadurch stellst du sicher, dass du immer genug Geld auf diesem Konto hast für die Einkommenssteuer, SVS Beiträge, Versicherungen…etc.

Du solltest mental mit dem Geld auf diesem Konto abschließen, stelle es dir einfach vor wie das Konto von deinem Arbeitgeber - und dein Gehalt erhälts du auf dein privates Konto. Das Geld auf dem Firmenkonto ist nur für das Finanzamt und die Sozialversicherungen.

Wo soll ich mein Freelancer Konto eröffnen?

Es gibt spezielle Bankkonten für Einzelunternehmer bei allen großen Österreichischen Banken - allerdings kosten diese oftmals etwas und solange du einfach nur Honorarnoten stellst, gezahlt bekommst und dir auf dein Privates Konto überweist tut es auch eine gratis Online Bank.

Ich persönlich verwende Holvi. Holvi ist eine Online Bank welche sich speziell auf Freelancer und Selbstständige spezialisiert hat und bereits einige Funktionen, wie ein Rechnungsprogramm oder einen Online Shop inkludieren. Allerdings tut es genauso die Business Variante von N26, zum Beispiel.

Den einzigen Nachteil den Ihr bei diesen Online Banken habt ist die fehlende Integration von Finanzamtszahlungen im Online Banking System. Banken wie die Erste Bank ermöglichen es dir direkt deine Steuerschuld ans Finanzamt zu überweisen - allerdings kannst du dies auch genauso gut durch eine SEPA Überweisung tun - wie genau das funktioniert zeige ich dir später.

Abschließende Worte

In diesem Artikel haben wir also gelernt wie man sein Unternehmen beim Unternehmensserviceportal anmeldet, wie man sich ausrechnen kann ob es sich lohnt und worauf man achten muss beim anmelden seines Unternehmens.

In dem nächsten Artikel werden wir uns das Day-To-Day Business anschauen als Freelancer - Wie stelle ich eine Rechnung aus und wie hat diese überhaupt auszusehen? Wie erledige ich meine Umsatzsteuervoranmeldung in FinanzOnline? Wie bezahle ich meine Steuern?

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