Arten von Arbeitnehmer und der Kollektivvertrag

Was genau ist ein leitender Angestellter und was steht eigentlich in meinem Kollektivvertrag?

Nicht jeder Arbeitnehmer ist gleich und nicht jedes Angestelltenverh√§ltnis ist gleich. Von leitenden Angestellten √ľber Freie Dienstnehmer bis hin zu Selbstst√§ndigen gibt es die unterschiedlichsten Varianten und Kombinationen in √Ėsterreich. In diesem Artikel werden wir uns die verschiedenen Arten von Arbeitnehmern anschauen, au√üerdem schauen wir uns an wie ein Kollektivvertrag eigentlich aussieht und funktioniert.

Arten von Angestellten

Abgesehen vom klassischen Angestellten gibt es 2 weitere Arten in √Ėsterreich, den Leitenden Angestellten und den Angestellten ex contractu (=laut Vertrag).

Leitender Angestellter

Ein Leitender Angestellter ist zwar angestellt, wird allerdings aufgrund seiner Rechten und Pflichten eher der Arbeitgeber Seite zugeordnet als der Arbeitnehmerseite. Leitende Angestellte sind, aufgrund ihrer ma√ügeblichen F√ľhrungsaufgabe vom Arbeitszeitgesetzt (AZG) und dem Arbeitsruhegesetz (ARG) ausgenommen. Des weiteren sind leitende Angestellte auch von der Betriebsvereinbarung ausgeschlossen sowie vom allgemeinen K√ľndigungsschutz.

Es ist jedoch nicht einheitlich definiert was genau ein leitender Angestellter ist - hierzu gibt es sowohl im Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG) und im Arbeitszeitgesetz unterschiedliche Regelungen. Grundsätzlich hängt es allerdings davon ab ob ein Angestellter wesentliche Teilbereiche eines Betriebes eigenverantwortlich leitet, dass dadurch Einfluss auf das gesamte Unternehmen genommen wird und er sich durch seine Position von den anderen Angestellten heraushebt.

Angestellter ex contractu

Ein Angestellter ex contractu, auch Vertragsangestellter genannt, sind Arbeitnehmer die zwar T√§tigkeiten ausf√ľhren welche √ľblicherweise von einem Arbeiter gemacht werden, aber aufgrund vertraglicher Vereinbarungen wie Angestellte behandelt werden.

Sonstige Arten von Arbeitnehmern

Arbeiter

Der Klassische Arbeiter ist jeder Arbeitnehmer, welche weder kaufm√§nnische noch h√∂here nicht kaufm√§nnische dienste, noch zu Kanzleiarbeit durchf√ľhrt. Im Vordergrund stehen, wie bereits erw√§hnt, die manuelle T√§tigkeit (z.B.: Kellner oder Friseur).

F√ľr Arbeiter gilt die Gewerbeordnung (GewO), das Allgemeine B√ľrgerliche Gesetzbuch (ABGB), sowie zahlreiche Gesetze welche f√ľr Angestellte und Arbeiter gelten (AZG, ARG, UrlG,…etc).

Grunds√§tzlich muss es in einem Unternehmen getrennte betriebsr√§tliche Vertretungen f√ľr Arbeiter und Angestellte geben.

Freier Dienstnehmer

Der freie Dienstnehmer steht in einem Dauerschuldverh√§ltnis zum Vertragspartner, ist aber entgegengesetzt zum Angestellten nicht Weisungsgebunden und frei von Beschr√§nkungen des pers√∂nlichen Verhaltens. Er kann den Ablauf der Arbeit selbstst√§ndig regeln und wird bezahlt f√ľr die Arbeitsdauer und nicht f√ľr das Werkst√ľck.

Der freie Dienstnehmer wird nicht in die betriebliche Organisation eingegliedert und hat auch nur eingeschr√§nkte pers√∂nliche Arbeitspflicht. Beispiele f√ľr einen freien Dienstnehmer w√§ren ein externer Vortragender an eine Hochschule oder ein Betriebsarzt.

Selbstständiger (Werkvertrag)

§ 1151 ABGB Dienst- und Werkvertrag.

(1) Wenn jemand sich auf eine gewisse Zeit zur Dienstleistung f√ľr einen anderen verpflichtet, so entsteht ein Dienstvertrag; wenn jemand die Herstellung eines Werkes gegen Entgelt √ľbernimmt, ein Werkvertrag.

Bei einem Werkvertrag verpflichtet sich der Vertragspartner ein gewisses Werk f√ľr jemand anderen gegen Entgelt herzustellen. Der Vertrag endet mit der Leistungserbringung (=Zielschuldverh√§ltnis) und es besteht keine pers√∂nliche Arbeitspflicht (Vertretungsrecht). Beim Werkvertrag gibt es keine pers√∂nliche Abh√§ngigkeit, keine Einordnung in die betriebliche Organisation, komplett freie Wahl der Arbeitszeit und des Dienstortes - allerdings haftet der Werknehmer f√ľr den Erfolg

Arbeitskr√§fte√ľberlassung

Die Arbeitskr√§fte√ľberlassung ist, logischerweise, die Zurverf√ľgungstellung von Arbeitskr√§ften zur Arbeitsleistung an Dritte. Bei gewerbsm√§√üiger Arbeitskr√§fte√ľberlassung bedarf es einer Gewerbeberechtigung f√ľr die √úberlassung von Arbeitskr√§ften (= wenn die Arbeitskr√§fte√ľberlassung das Hauptgesch√§ft des Unternehmens ist). F√ľr die Auszahlung des Entgeltes und der Sozialversicherungsbeitr√§ge ist die √ľberlassende Firma zust√§ndig (nicht die Zielfirma der Arbeitskr√§fte√ľberlassung).

F√ľr die Arbeitskr√§fte√ľberlassung gibt es einige Sonderregelungen:

  • √úberlassende Arbeitskr√§fte haben einen Anspruch auf jenes kollektivvertragliche Entgelt welches auch die Stammbelegschaft im Betrieb erh√§lt
  • Besteht eine Betriebspensionsregelung im Betrieb ist die √ľberlassende Arbeitskraft nach sp√§testens 4 Jahren in diese Regelung einzubeziehen
  • √úberlassene Arbeitskr√§fte m√ľssen den gleichen Zugang zu Einrichtungen und Ma√ünahmen des Betriebes haben (z.B.: Kantine oder Betriebskindergarten)
  • Die √ľberlassene Arbeitskraft muss in den Betrieb eingegliedert werden

Arbeitskr√§fte√ľberlassung liegt ebenfalls vor, wenn eine Arbeitskraft im Zielbetrieb einen Werkvertrag erf√ľllt, aber:

  • Kein vom Kunden abweichendes Produkt, Dienstleistung oder Zwischenergebnis produziert oder
  • der Werkunternehmer nicht f√ľr den Erfolg der Werkleistung haftet oder
  • die Arbeit nicht vorwiegend mit Material und Werkzeug des Werkunternehmers geleistet wird oder
  • die Arbeitskraft in den Betrieb des Kunden eingegliedert ist

Was ist ein Kollektivvertrag?

Ein Kollektivvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung welche zwischen kollektivvertragsfähigen (=(gesetzliche Interessenvertretungen und unter bestimmten Voraussetzungen freiwillige Interessensvertretungen)Körperschaften der Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen werden (Kammern und Gewerkschaften).

Die Vereinbarungen gelten innerhalb ihres Bereiches auf eine gewisse Dauer (meist 1 Jahr) und sie gelten r√§umlich, fachlich und pers√∂nlich. Der KV hat eine Friedensfunktion (Streiks verhindern) und sorgt daf√ľr, dass branchengerechte Lohn und Arbeitsbedingungen vorliegen.

Der Kollektivvertrag enthält Rechten und Pflichten sowohl von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, vorrangig Entlohnung (Mindestgehalt), Sonderzahlungen (z.B.: Urlaubsgeld) und Arbeitszeiten.

Grunds√§tzlich gilt f√ľr einen der Kollektivvertrag des Unternehmens f√ľr das man arbeitet - sprich, wenn man als Software Entwickler in einer Steuerkanzlei angestellt ist, gilt f√ľr einen trotzdem der KV der Steuerkanzlei. Sollte ein Unternehmen zwei oder mehr Kollektivvertr√§ge haben, wird jener KV angewendet welcher am ehesten der √ľberwiegend ausge√ľbten T√§tigkeit entspricht.

Abschließende Worte

Dies war eine kurze Zusammenfassung der unterschiedlichen Arten von Arbeitnehmern, der Arbeitskr√§fte√ľberlassung sowie des Kollektivvertrages. In dem n√§chsten Artikel werden wir uns den Betriebsrat n√§her anschauen und was dieser zu tun hat in einem Unternehmen.

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